In Search of Dowland

... ein Programm, bei dem John Dowland, der englische Renaissance-Großmeister der Melancholie, im Werk des zeitgenössichen Carl Rütti gespiegelt wurde - so spritzig, so augenzwinkernd, dass einen die eigenen Ohren überraschten, wie sehr sie auf Neue Musik begierig sind. Man saß und staunte und konnte das nächste Stück kaum erwarten. ...

Dowland / Rütti: With the King of Denmark

Dowland: Langton Pavan

Dowland: Lachrimae

Musikalische Lebensgeschichte

John Dowland gilt heute wohl zurecht als einer der wichtigsten Musikerpersönlichkeiten der kulturellen Blütezeit unter der Regierung von Königin Elisabeth I. Der Schweizer Carl Rütti komponierte eine Dowland-Suite, in der das Leben des elisabethanischen Meisters musikalisch nacherzählt wird. In Zusammenarbeit mit dem Komponisten entfaltet B-Five im vorliegenden Programm ein farbiges Miteinander von Alt und Neu – Polyphonie des Golden Age und moderne Klangsprache verschmelzen zu einem harmonischen Ganzen.

Dowland: Semper Dowland, semper dolens

Dowland: Souch Galiard

Lachrimae or The Seven Teares

Dass sich John Dowland als prägendster Musiker des elisabethanischen Zeitalters mehrmals erfolglos für den begehrten Posten als Hoflautenist beworben und diesen erst nach Königin Elisabeths Ableben erhalten hat, erstaunt aus heutiger Sicht. Möglicherweise haben daraus entstandene Spuren von Verbitterung seinen persönlichen Hang zur Melancholie noch verstärkt. Melancholie - ein Seelenzustand, der im London der Shakespeare-Zeit zum Lebensgefühl wurde, dessen musikalische Formulierung Dowland in seinem wohl berühmtesten Song schuf:


Flow, my tears, fall from your springs!
Exiled for ever, let me mourn;
Where night's black bird her sad infamy sings,
There let me live forlorn.  

Leidenschaftliche Pavanen und schwungvolle Tänze

Ausgehend von diesem Lied komponierte Dowland sieben „passionate pavans“. Sieben leidenschaftliche Tänze, in denen er mit seiner reichen musikalischen Phantasie ein Kompendium der Traurigkeit entwirft: Tränen der Liebenden, erzwungene Tränen, seufzende Tränen, wahre Tränen … Erweitert wird diese einmalige Sammlung von Consortmusik durch eine Reihe rhythmisch-beschwingter Tänze, die durch ihre mitreißende liedhafte Melodik begeistern.

Von P.L. Jacob (1806-1884) - Paul Lacroix, Manners, Custom and Dress During the Middle Ages and During the Renaissance Period, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3687436

Carl Rütti

Carl Rütti, geboren 1949, ist in Zug aufgewachsen. Klavierunterricht bei Cécile Hux. Nach der Matura an der Stiftsschule Engelberg studierte er am Konservatorium Zürich Klavier bei Sava Savoff und Orgel bei Erich Vollenwyder. 1975 erlangte er die Solistendiplome in beiden Instrumenten.  1976 folgte ein Studienjahr in London.  Beeindruckt von der englischen Chortradition begann Rütti, vielstimmige a cappella-Chorwerke zu komponieren, einschließlich eines halbstündigen „Veni Creator Spiritus“ für 40-stimmigen Chor. Mehrere seiner Werke wurden durch die BBC Singers aufgenommen und durch die BBC ausgestrahlt. 1999 weltweite Ausstrahlung eines Werkes von den PROMS, London, und an Weihnachten 2000 / 2002 / 2004 eines Carols aus der King’s College Chapel, Cambridge. 2001 schrieb Rütti das Höchstklass-Teststück Montreux Wind Dances für den Europäischen Brass Band Wettbewerb in Montreux. 2005 erhielt er den Anerkennungspreis des Kantons Zug. CD Aufnahmen mehrerer seiner Werke.  Carl Rütti wohnt in Zug, ist Organist in Oberägeri und konzertiert als Pianist und Organist.

Gewiss, die reichen, stehenden Klänge von tonaler Harmonie, welche in himmlischen Nebeln schimmern, werden jene in diese Musik hineinziehen, welche in solchen Dingen Befriedigung finden, aber die, welche komplexere musikalische Anregung suchen, werden reich belohnt werden sowohl durch den reinen Überfluss an Rüttis harmonischem Vokabular als auch durch seinen vitalen Sinn für Rhythmus ...
(Gramophone)


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